NÉO (mein Lehrmeister, mit dem alles anfing)

Néo (Freiberger) trat November 2009 in mein Leben. Bereits Eingefahren und Angeritten in allen Gangarten – und das mit süßen zwei Jahren… Das Defizit bekam ich dann auch früh genug mit. Beim Probereiten war er sehr feinfühlig und parierte bei jedem Ungleichgewicht sofort durch, als hätte er Angst mich aus versehen zu verlieren. Schon wie er uns präsentiert wurde, verschlug uns die Sprache – ein unglaublich schönes Pferd! Was wir da noch nicht erkannten, war, dass er in ständiger Anspannung und Angst war. Deswegen wirkten seine Bewegungen sehr erhaben, mit diesem hoch angesetzten Hals.

Im Stall zeigte er dann auch, wie überfordert er mit seinem Leben war. Beim Misten sprang er einfach über den Schubkarren drüber und verlor gleich zwei Hufeisen. Als die Pferde reingebracht wurden, dachte er, er wurde vergessen und nahm fast den ganzen Zaun mit in den Stall. Beim Reiten explodierte er teilweise unberechenbar und ich fiel zwei Mal von ihm. Beim Longieren zog er so heftig an der Longe, dass ich teilweise sogar mitgerissen wurde. Irgendwann gewöhnte er sich an, sich loszureisen, wenn ihm der Druck zu viel wurde. Auch beim Reiten brach er im Zirkel im Galopp immer aus und bereitete Kopfzerbrechen, weil es nicht einmal meine damalige Reitlehrerin schaffte, ihn mit Gewalt im Zirkel zu behalten. Beim Spazieren gehen buckelte er häufig oder putschte sich so stark auf, dass er kaum mehr händelbar war. Er büffelte, überholte und überforderte mich so stark, dass ich mit der Zeit eine starke Unsicherheit und Angst aufbaute. Diese Angst ist heute noch nicht ganz weg.

Natürlich gab es auch unglaublich schöne Momente! Mit drei Jahren saß ich zum Beispiel ohne Sattel auf seinem Rücken und er war wirklich extrem brav. Mit vier Jahren konnte ich sogar schon beim Georgi Ritt mitreiten und auch da benahm er sich tadellos. Mit sechs Jahren startete ich mit ihm beim Distanzritt – 32 km, und das auch noch ohne intakte Zügel. Denn beim Start überholten uns einige Pferde, was Néo natürlich noch nicht so bekannt war. Vor Angst ritt ich Kreisel, damit nichts geschieht. Er war aber total ruhig und verstand meine Reaktion nicht so. Dann riss irgendwas am Zügel und die Schraube viel raus. Ich hatte als nur noch einen einzigen Zügel, der funktioniere. Der andere hing nur noch als Schmuckstück dran. Den ganzen Ritt bewältigten wir so und ich fasste großes Vertrauen zu ihm, weil ich merkte, wie ich mir selbst die Angst schürte – ohne Grund.

In der Zeit haute es mich dann auch komplett um. Ich bekam eine Depression und ich war immer wieder drauf und dran meinen Néo zu verkaufen. Es gab tatsächlich auch eine Zeit, da schaffte ich es nicht einmal ihn von der Koppel zu holen, weil er nicht mit wollte. Aber das Ganze, was er mir um die Ohren warf, waren Dinge, die ich heute erkenne. Er hat mich auf mein Leben aufmerksam gemacht, gezeigt, was los ist und dass ich das schleunigst ändern muss! Entdeckt habe ich das, nach dem ersten Kurs in der Saliho School bei der Alexandra König. Mir wurde immer klarer, was seine Ausbrüche zu bedeuten haben und was er in mir spiegelte. Das größte Problem war aber, dass ich angefangen hatte, ihn für mich als Glücksgeber zu verwenden. Ich war nur glücklich, wenn er das tat, was ich von ihm wollte. Zu erkennen, dass nur ich mir selbst Liebe und Glück geben kann, war ein schwieriger weg. Aber heute ist es mir nun klar! Dank ihm habe ich tatsächlich mein komplettes Leben umgestaltet… Und die ganzen Probleme lösen sich nun nach und nach in Luft auf!


 

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