Dieses Mal möchte ich diesen Eintrag aus der Reihe etwas anders gestalten, da das Thema Angst womöglich das Vielschichtigste Gefühl ist, dass es gibt. Es entsteht aus so vielen unterschiedlichen Gegebenheiten, sodass eine allgemeine Erklärung kaum möglich ist. Deswegen werde ich ab und zu über meine Erfahrungen schreiben und dir aus meiner Sicht die Dinge erklären.

Ich habe mich in den letzten Monaten sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und meine nun, wenigstens in meiner Gefühlswelt, einen kleinen Anhaltspunkt zu haben, woher es kommt, was damit in Resonanz kommt, wie das Pferd es spiegelt und wie zumindest ich daran gearbeitet habe bzw. noch daran arbeite.

Bitte beachte, dass es gerade beim Thema Angst, keine Pauschal-Lösung gibt. Du wirst nach diesem Blog-Eintrag wissen, weshalb.

ERINNERUNG: Um weiterzulesen, solltest du vorher unbedingt Einführung in die Welt der Resonanz- und Spiegelgesetze lesen, damit du weißt, dass alles was nun kommt, keine Norm ist. Ich kann hier nur einen kleinen Teil ansprechen, dabei gibt es das Thema in viel mehr Facetten und Ausführungen. Es dient lediglich zur Selbstüberprüfung. Wenn es Fragen hierzu gibt, kannst du mir gerne eine Mail oder einen Kommentar schreiben.

So könnte das Thema entstanden sein

Es gibt schon allein beim Aufwachsen sehr viele Situationen und Konditionierungen, wo das Kind Ängste entwickeln kann. Gerade bei sehr Fürsorglichen und Ängstlichen Eltern, lernt es – je nach Charaktertyp – selbst Vorsichtig und  eher ängstlich zu agieren. Doch, dass sich das so stark durchsetzt, dass die Ängste größer werden, ist eher selten. Als Kind ist man dann doch eher unbeschwerter, weil man die Konsequenzen noch nicht kennt und ohne „lästige“ Gedanken an neue Dinge heran geht und dadurch eigene Erfahrungen macht.

Meistens entwickeln sich Ängste erst im Alter – wenn man schon viel erlebt hat, Dinge gesehen hat, die geschehen können oder es kommen viele andere Gefühle zusammen und konstruieren dadurch Ängste. Wie ich Letzteres genau meine, erzähle ich hier:

Obwohl ich als Kind in so gut wie jeder Reitstunde vom Pferd fiel, entwickelte ich keine so großen Ängste, dass ich mich  nicht mehr aufs Pferd traute. Klar, ich war angespannt und ab und zu auch mal nervös, aber nie so ängstlich, dass ich unfähig zum Handeln war. Das entwickelte sich erst mit Néo. Seine, teilweise, heftigen Reaktionen, die auch so unvorhersehbar waren, ängstigten mich sehr. Doch das war noch nicht alles. Wahrscheinlich wäre die Angst nicht so extrem geworden, wenn nicht noch andere Gefühle mit hinein gekommen wären, die er mit seinem Verhalten triggerte. Gefühle, wie Misstrauen (ich traue dem Frieden nicht), Versagensangst (wenn das Pferd so ausflippt und ich es nicht beruhigen kann, dann habe ich versagt), Kontrolle (wenn nicht alles so läuft, wie ich es möchte, dann habe ich Schwierigkeiten damit umzugehen) und Unsicherheit (wie schafft man es, das Pferd überhaupt zu beruhigen) und bestimmt einige mehr. Diese ganzen Gefühle ballten sich in solchen Situationen zusammen und konstruierten die große Angst, in der kaum noch Handeln möglich war.
Bei mir war es also so, dass Néo der Auslöser war und mir somit meine ganzen anderen Kisten vor die Füße warf, indem er mir mit seinem Verhalten angst machte. Hätte ich diese anderen, unterschwelligen Themen nicht gehabt, hätte ich wahrscheinlich keine so große Angst entwickelt.

Doch es braucht nicht einmal einen Auslöser – wie es bei mir mit Néo war. Ich habe es gebraucht, weil ich somit auf diese ganzen anderen Themen schauen musste, um diese endlich zu bearbeiten. Aber es können auch nur Angst Szenarien im Kopf auftauchen, die so gut wie noch nie vom Pferd bestätigt wurden. Dass das Pferd eventuell irgendwann auf das Gefühl mit einspringen könnte, ist klar. Aber das Pferd ist nicht der Verursacher der Angst – sondern dieses Mal die eigenen Gedanken.

Warum aber kreiseln die Gedanken über solche Situationen, wenn diese vom Pferd nie verursacht wurden? Entweder ist es eine alte Konditionierung, von überängstlichen Eltern oder aber eine eigene Gedanken-spirale (vielleicht verursacht aus Erfahrungen – egal ob selbst gemacht oder nur davon gehört, was alles passieren könnte). Wovor hast du Angst? Angst vor Verletzungen und Schmerzen? Angst vor Kontrollverlust? Angst vor Lebendigkeit? Wenn das Pferd neugierig ist, Spaß hat oder einfach pure Freude verspürt, kann das schon beängstigend sein. Leider kennen wir meistens nur runter reduzierte Pferde, die still stehen, kaum noch mit dem Kopf zucken, wenn ein Geräusch ertönt oder etwas vorbei kommt und brav nebenher laufen, ohne eine eigene Regung zu zeigen. Ist das Pferd lebendig, schaut es umher, hebt den Kopf, schnauft auch mal mehr, trabt mal an, schaut stolz und neugierig seine Umgebung an. Oftmals verwechseln wir dieses Verhalten und glauben, dass das Pferd ängstlich sei, obwohl es gerade nur sein Leben in vollen Zügen genießt. Wenn dann im Kopf die Gedanken-Spirale anfängt, kann dieses Verhalten natürlich extrem schnell kippen und das freudige, aufgeweckte Pferd, wird angespannt und nervös (ein runter reduziertes Pferd würde solche Gedankengänge schon fast gar nicht mehr wahrnehmen).

Resonanzgesetz – So zeigt es sich im Leben und das wird dadurch angezogen

Wie ich schon im ersten Teil beschrieben habe, zieht man so entweder ein Pferd an, welches einem so sehr Angst einjagt, dass man sich die Themen, die dahinter stecken, genauer ansehen muss! Wie es eben bei mir und Néo der Fall war.

Falls jedoch die Angst trotz bravem Pferd kommt, liegt das an etwas anderes. Wahrscheinlich bist du allgemein ein eher vorsichtigerer Mensch, gehst auf Nummer sicher und gehst lieber keine Risiken ein. Weil du schon vorher abcheckst, welcher Weg der Sicherste ist. Im Alltag werden somit immer wieder unvorhersehbare Dinge geschehen, die dich ängstigen und in deinen Gedanken bestätigen. Auch das bravste Pferd kann dich in deinen Gedanken bestätigen und genau das tun, was du dir als Horror-Szenario vorgestellt hast (die Kraft der Gedanken 😉 ).

Solange du also denkst, dass etwas Schlimmes geschehen wird, solange wird sich das auch immer wieder bestätigen – mal mehr, mal weniger.

Spiegelgesetz – Das zeigen die Pferde

Da das Thema bei mir und Néo nicht wirklich die Angst als solches war, sondern das Alarmsignal für meine ganzen anderen Themen, die dahinter steckten, musste er mir mit seinem Verhalten angst einjagen. Wahrscheinlich wird das auch immer wieder geschehen – sodass ich diese Themen niemals aus den Augen lasse.

Kreiseln jedoch nur die Gedanken im Kopf, kann es geschehen, dass das Pferd mit der Zeit auf diese Gedanken mit einspringt und nervöser und nervöser wird. Oder es wird immer ruhiger, langsamer, bleibt vielleicht sogar stehen, wenn es raus gehen soll. Es kommt darauf an, wie du lernst, diese Schwingung nimmt das Pferd wahr und verhält sich dementsprechend. So wie es bei mir der Fall war. Hätte sich Néo nicht so extrem verhalten, hätte ich nicht immer weiter und weiter gesucht, bis ich das gefunden hatte, was angesehen und bearbeitet werden musste.

So kann daran gearbeitet werden

Nun muss alles genauer aufgeschlüsselt werden. Es herrscht nämlich ein großer Unterschied zwischen den Gedanken im Kopf, die Angst verursachen und dem Verhalten des Pferdes, was einem Angst macht.

Ist es das Verhalten des Pferdes, so ist wichtig zu wissen, dass die Angst in dem Moment auch absolut gerechtfertigt ist. Es ist ok, angst vor dem Pferd zu haben, wenn es steigt, einen über den Haufen rennt, sich losreist oder andere, für dich gefährlichen Dinge tut. Deswegen muss hier im absolut sicheren Rahmen gearbeitet werden. Das erste was geschehen sollte, ist, aufzugliedern, was dir neben dem Verhalten des Pferdes, noch Angst oder Unwohlsein bereitet. Ist es die Unsicherheit, was du in dieser Situation tun sollst? Hast du Angst davor, dass sich das Pferd losreist und ganz alleine irgendwo hin rennt, sich vielleicht verletzt? Ist es die Angst vor Kontrollverlust, wenn dir die Situation entgleitet? Ist es die allgemeine Lebendigkeit und Größe, die das Pferd in dem Moment ausstrahlt und dich überfordert? Ich könnte damit noch ewig weiter machen. Es gibt unzählige Themen, die dahinter stecken können – und diese gilt es anzusehen. Wenn das Pferd zum Beispiel in Schrecksituationen in dich hinein springt, solltest du dir ansehen, warum es das tut. Hältst du den Strick extrem kurz, sodass es genau spürt, dass es nur in deine Richtung Platz zum Fliehen hat? Sorgst du eigentlich vor und wechselst die Seiten, um immer an der vermeintlich gefährlichen Stelle zu gehen, damit das Pferd in gegengesetzte Richtig fliehen könnte? Hast du dein Pferd darauf Konditioniert deinen Körper zu folgen? Bist du ein Fürsorglicher Mensch und willst es jedem Recht machen und lässt du somit die Menschen auch zu nah an dich heran? Beanspruchst du wenig Raum für dich? Rennt dein Pferd auch im entspannten Zustand immer wieder in deinen heiligen Raum hinein? Darf es an deinen Taschen schnuppern? … Hier ist tatsächlich Selbstreflexion gefragt, es ist zu komplex und facettenreich, dass ich das in einem einzigen Blogartikel gar nicht aufgliedern kann. Setze dich hin und schreibe dir wirklich alles auf, was dir in den Kopf kommt, vor was du neben dem Verhalten des Pferdes angst hast. Und dann schreibe dir dazu, was du dagegen machen kannst – und damit meine ich nicht irgendwelche praktischen Übungen am Pferd, sondern ganz im kleinen Stil im Alltag (zum Beispiel Vereinnahmungen anderer Menschen nicht mehr zulassen, dein Pferd nicht mehr an dir schnuppern lassen, usw.).

Ist es jedoch „nur“ dein Gedanken Karussell, was dich in die Angst treibt, so wäre es gut, wenn du immer wieder über den Punkt deiner Angst hinweg gehst. Am Anfang war es Néos Verhalten, was mir Angst machte, weil er für mich so unberechenbar war. Aber als ich die unterschwelligen Themen erkannt hatte und er schon längst nicht mehr so heftig reagierte, war meine Angst auch nur noch im Kopf. Es gibt sogar noch Tage, da kreiseln diese „schlimmen“ Gedanken sogar mit Nicki zusammen in meinem Kopf herum, obwohl ich mit ihr noch nie in einer gefährlich Situation war. Als ich also mit Néo alle anderen Themen erkannt und bearbeitet hatte (bzw. noch am dran arbeiten bin), war klar, jetzt müssen wir drüber gehen. Das Drama in uns wegwischen. Es gibt nun keine reale Angst mehr. Ich habe gelernt, wie ich in gewissen Situationen mit Néo umgehen muss, was er eben genau dann braucht. So war die Unsicherheit beseitigt. Im Gehirn bilden sich gewisse Verbindungen, die einen Pfad bilden, der oft gegangen wurde – wie zum Beispiel das Gefühl der Angst, wenn man mit dem Pferd im Gelände ist. Diesen Pfad muss man nun mit neuen Erfahrungen „überschreiben“. Manchmal ist es hilfreich, sich dafür einen Menschen an die Seite zu holen, der einen dabei helfen kann. Ich bin jeden Tag die gleiche Runde mit Néo raus gegangen und wir haben uns in jeder Begebenheit neu kennengelernt und neue Erfahrungen gesammelt. Die Runde war extrem kurz, ganz nah am Stall, sodass wirklich keine große Gefahr herrschte – so gnädig sollte man zu sich und seinem Pferd schon sein. Du merkst, wenn es irgendwann Routine wird, dann kannst du weiter gehen. Aber nie zu weit über den Punkt hinweg gehen. Es geht darum, sich der Angst zu nähern, sich aber nicht damit zu konfrontieren. Und je nachdem, wie ausgeprägt die Angst ist, so sollte man dann auch individuell darauf eingehen. Fängt die Angst schon an, wenn man die Box mit dem Pferd verlässt, so geht es tagelang vor die Box in einem Kreis und wieder zurück. Bis keine Angst mehr aufflammt. Die Routine ist es, die die Angst besiegt.

Wichtige Anmerkung

Über das Thema Angst, könnte ich ein ganzes Buch füllen. Die Vielschichtigkeit ist gerade bei diesem Thema extrem groß. Und da dieses Gefühl absolut nicht verharmlost werden darf, ist es auch nicht ratsam, sich dem Ganzen alleine auszusetzen. Gerade bei diesem Thema, sollte man sich Hilfe holen, die einen auf diesen Weg unterstützen kann. Egal, ob eine Freundin, die Familie, der Freund oder ein Trainer – wichtig ist, dass du dich absolut wohl in ihrer Nähe fühlst, sie dich aber auch dabei unterstützen selbstständig an die Sache ran zu gehen. In der schlimmsten Phase meiner Angst, half mir mein Freund sehr, da er mit seiner Ruhe und dieser „alles ist egal“ Einstellung wie ein Fels in der Brandung war. Mich jedoch auch anfuhr, wenn ich zu hysterisch wurde. Er wusste also genau, wann ich was brauchte. Dein Pferd wird ähnlich „funktionieren“ wie du. Was du brauchst und was dir wirklich hilft, braucht auch dein Pferd.

Alles was ich niedergeschrieben habe, deckt vielleicht nur einen minimalen Bruchteil ab. Jedes Pferd-Mensch-Paar muss absolut individuell betrachtet werden. Es gibt vielleicht Ähnlichkeiten, dennoch funktioniert nicht alles bei jeden gleich. Deswegen liegt es nun an dir, heraus zu finden, was du und dein Pferd wirklich braucht, um aus der Angst-Spirale raus zu kommen.

Author

Ich heiße Chrissi und ich hatte meine große Entdeckung 2015 - da lernte ich Chi-Horsing (Saliho School von Sandra König) und die Akademische Reitkunst (nach Bent Branderup) kennen, welche mich auf einen komplett neuen Weg brachten... Diesen Weg möchte ich nun hier mit dir auf meinem Blog "Horsensation" teilen!

Gerne können wir uns hier austauschen: